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Wie Medientechnologien unser Gehirn überfordern Dr. Ralf Friedrich Texter Ghostwriter Chemnitz Leipzig Dresden

Wie Medientechnologien unser Gehirn überfordern

“Medientechnologien vereinfachen unser Leben.”

Vermutlich stimmen dem viele zu.

Smartphone, Tablet, aber auch WLAN und Onlinebanking: Diese Aufzählungen sind nur ein Bruchteil aller möglichen Medientechnologien, deren Entwicklung unseren Alltag (positiv) verändern. Technische Fortschritte vereinfachen unser Leben schließlich um einiges.

Dein Meeting wurde z. B. nach hinten verschoben, weswegen du es heute nicht schaffst, deine Tochter vom Kindergarten abzuholen? Kein Problem! Dann rufst du eben fix Tante Monika an, die heute Zeit hat.

Gleichzeitig erinnerst du dich, dass du nach der Arbeit noch für deine Mutter den Wocheneinkauf erledigen sollst. Das (mögliche) Problem: du weißt gar nicht, was sie braucht. Aber auch hier kann das Problem dank Technik schnell gelöst werden. Per Whatsapp bittest du Mama, die Einkaufsliste zu senden.  

Die Menge an zugängigen Medientechnologien beseitigen jegliche zeitliche und ortsbezogene Grenzen, die es früher einmal gab.

Während uns vor einigen tausend Jahren nur Mimik, Gestik und erste Ansätze sprachlicher Ausdrücke zur Verfügung standen, haben wir heute eine deutliche breitere Auswahl an Möglichkeiten. Was noch hinzukommt: Die Entwicklungen erleichtern unseren Alltag erheblich.

Wer an dieser Stelle widersprechen würde? Oma Lisbeth. Die ist überfordert, wenn sie nur Begriffe wie GPS, WLAN und Onlinebanking hört.

Die Frage ist, welche Ursache steckt eigentlich hinter Oma Lisbeths Probleme mit der Technik? Warum machen diese neuen Medientechnologien das Leben vieler (alter) Menschen schwerer und nicht leichter? 

Ein kurzer Blick auf die menschliche Evolution

Hören wir das Wort „Evolutionstheorie“, erinnern sich viele von uns wahrscheinlich dunkel an schrecklich langweilige Biologiestunden zurück. Gehört habt ihr damals was von Charles Darwin und natürlicher Selektion. Gefragt habt ihr euch womöglich: Wann werde ich sowas jemals nochmal brauchen? (So ging es mir zumindest).

Wir brauchen es jetzt! Die Grundlagen der Evolutionstheorie vermitteln uns eine grobe Ahnung davon, was passiert, wenn wir mit neuen Medientechnologien konfrontiert werden.

Hier also nochmal die für uns relevanten Annahmen:

  1. Das menschliche Gehirn weist verschiedene psychologische Mechanismen auf, die unsere Überlebenschancen steigern.
  2. Diese Mechanismen dienen der Problemlösung.
  3. Die Entwicklung der Mechanismen ist evolutionär bedingt und erfolgt in Reaktion auf aktuelle Umweltverhältnisse.
  4. Unser Gehirn ist verantwortlich dafür, dass wir Verhalten zeigen, dass an diese Umweltbedingungen angepasst ist. Meist passiert das unbewusst.
  5. Psychologische Mechanismen sind meist auf bestimmte Anpassungsprobleme spezialisiert.
  6. Allgemein vollziehen sich diese Prozesse sehr langsam.
  7. Das ganze klingt vielleicht jetzt kompliziert, ist es aber nicht.

Nehmen wir an, wir zelten in einem großen Wald und sehen auf einmal einen riesigen Bären. In der frühen Menschengeschichte haben unsere Vorfahren bei der Konfrontation mit wilden Tieren gelernt, dass dies gefährlich werden kann und somit das Überleben bedroht.

Daraufhin hat sich ein psychologischer Mechanismus entwickelt (= Angst). Dies sorgt dafür, dass wir in bestimmten Situationen wie dieser entsprechendes Verhalten zeigen (= Wegrennen). Diesen Mechanismus haben wir auch noch heute. 

Konsequenz: Wir rennen (aus Angst) vor dem Bären weg. Das steigert unsere Überlebenschancen. 

Die Konfrontation von einem steinalten Gehirn mit neuen Medientechnologien

Wie bereits erklärt, vollziehen sich diese Anpassungsprozesse in unserem Gehirn sehr langsam. Unsere Umwelt hingegen verändert sich sehr schnell. 

Die Konsequenz: Unser Gehirn ist an eine vergangene Umwelt angepasst. Komplexe Neuerungen überfordern demzufolge unser „langsames“ Gehirn. Dieses kann mit der Schnelligkeit an Änderungen unserer Außenwelt nicht mithalten.

Medientechnologien sind menschengemachte Entwicklungen, die großen Einfluss auf unsere aktuelle Umwelt nehmen. Besonders in den letzten Jahrzehnten sind digitale Medien ein fester Bestandteil unseres Alltages geworden, sodass ein Leben ohne sie fast unvorstellbar wäre. Hinzu kommt, dass diese Entwicklungen immer komplexer werden.

Zur kurzen Vorstellung: Versuchen wir einmal, uns die verschiedenen Schritte einer Onlineüberweisung vorzustellen. Dies kann sich natürlich je nach Verfahren der Bank unterscheiden. Grundsätzlich braucht man zunächst:

– Hardware (PC, Laptop, Smartphone…)

– Internetzugang (WLAN, LAN, Mobile Daten…)

– Zugangsdaten für Banken- Website (Anmeldename, Passwort o.ä.)

– Daten des Empfängers

– TAN- Verfahren (SMS, App…)

 

Denken wir jetzt an die eigentliche Überweisung, wird das ganze noch um einiges komplexer.

Was an dieser Stelle besonders wichtig ist: die Vorerfahrung. Es macht schließlich einen deutlichen Unterschied, ob ich diesen Prozess einem zwanzigjährigen Informatikstudenten oder einem Senioren erkläre.

Einem Achtzigjährigen müsste womöglich zunächst nähergebracht werden, wie man sich überhaupt mit dem Internet verbindet. Hinzu kommt der Prozess der eigentlichen Suche der Website und des Einloggens. Und: was passiert, wenn man noch keinen Anmeldenamen und Passwort hat? Hat man diese Hürden überwunden, kommt der eigentliche Knackpunkt. Was ist überhaupt ein TAN- Verfahren? Was ist, wenn die nötige App zur TAN- Übermittlung noch nicht installiert ist? Wo bekommt man diese her? Wie funktioniert die Installation?

Tatsache ist: Die Erklärung des Vorganges ist um einiges komplizierter, als man zunächst denken mag.

Was passiert jetzt also bei Konfrontation von Gehirn mit Medientechnologien? Neurobiologin Prof. Dr. Gertraud Teuchert-Noodt erklärt dies wie folgt:

“Unsere Wahrnehmungen und Denkprozesse sind an eine vergangene Umwelt angepasst, in der es noch keine technologischen Medien gab. Infolgedessen ist unser Gehirn durch die Präsenz komplexer Technologien schnell überfordert, da es sich nur langsam an die verhältnismäßig schnelle Digitalisierung unserer Welt gewöhnt.”

Lange Rede, kurzer Sinn

Die Kerninhalte lassen sich in drei Punkten knapp zusammenfassen:

  1. Unser Gehirn lebt quasi immer noch in der Sternzeit.
  2.     Psychologische Mechanismen zur Sicherung von Nahrung, Fortpflanzung und zum Schutz vor Gefahren sind im Gehirn verankert.
  3.     Was fehlt: Psychologische Mechanismen zum Umgang mit Medien. Das Gehirn weiß weder, worum es bei Medientechnologien geht, noch was es damit anfangen soll.

Die Konsequenz: Erste Konfrontationen führen immer erst einmal zu Überforderung.

Natürlich können viele Leute trotzdem sehr gut mit neuen Medientechnologien umgehen. Das liegt vor allem daran, dass diese Leute gelernt haben, was diese sind und wie man sie handhabt (Stichwort: Anpassung an aktuelle Umwelt).

Besonders junge Generationen stoßen in dieser Hinsicht auf weniger Probleme. Sie sind praktisch in die Mediatisierungen der Umwelt hineingewachsen und somit besser an aktuelle Umstände angepasst. Ältere Menschen hingegen haben oft Probleme, da ihnen diese Vertrautheit im Umgang mit Medientechnologien fehlt.

Solltest du also Oma Lisbeth das Vorgehen bei Onlineüberweisungen erklären müssen, gilt hier das Motto: Mehr ist mehr. Sich kurz fassen ist an dieser Stelle fehl am Platz. Komplexe Vorgänge brauchen ausführliche Erklärungen, ganz besonders bei mangelndem Vorwissen.

Und auch falls du bei den neuesten technischen Entwicklungen mal wieder nicht durchblickst, denk daran: Die Überforderung ist uns sozusagen in die Wiege gelegt.

 

 

 

Quelle:

Teuchert-Noodt, G. (2017). Cyberattacke auf die Nervennetze des Gehirns–Wohin führt die digitale Revolution. Interview in umwelt· medizin· gesellschaft, 3(2017), 28-32.

 

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